Schweizer Filmperle – Geschichte und Entwicklung
Die Filmperle 2010 ist die sechste Ausgabe eines von art-tv.ch initiierten Projekts, das im Jahre 2004 seinen Anfang nahm. Im Unterschied zu den früheren Ausgaben umfasst die Schweizer Filmperle 2010 erstmals die VOLLSTÄNDIGE Verwertungskette unserer Vermittlungsarbeit: Von der Pressevisionierung eines Schweizer Films und der Filmkritik über die Video-Kurzreportagen und die Nomination für die Longlist bis zur Präsentation an den Minifestivals.
Die 1. Perle
Anlässlich der 40. Solothurner Filmtage hat Stefan Schwietert in der Reithalle den art-tv Award «Schweizer Kulturperle» für sein cineastisches Meisterwerk «Accordion Tribe» entgegen genommen. Geplant war diese Preisverleihung nicht, die art-tv Filmredaktion wollte lediglich Stefan Schwietert treffen und ihm bei einem Nachtessen mitteilen, dass sie persönlich seinen Film als besten Schweizer Film des Jahres 2004 erachteten. Die Verleiherin Bea Cuttat bat die art-tv-Crew jedoch, dies öffentlich zu kommunizieren, denn jede Aktion zur Förderung des Schweizer Films sei willkommen. Morgens um 11 Uhr telefonierte sie mit den Verantwortlichen von Solothurn, drei Stunden später bekam art-tv.ch von Festivaldirektor Ivo Kummer persönlich das OK, den «Preis» gleichentags im Vorfeld des Eröffnungsfilms zu übergeben. Ein schönes Beispiel für Flexibilität und Engagement für den Schweizer Film seitens der Solothurner Filmtage. Abends standen wir auf der Bühne der vollbesetzten Reithalle. Unser Filmpreis war geboren.
Die 2. Perle
Im Jahr 2006 erschien der Preis erstmals offiziell im Solothurner Programm. Neu wurde nicht nur ein Film geehrt sondern deren fünf. Die zweite «Schweizer Kulturperle», wie der Preis damals hiess, wurde im Landhaus vor einem interessierten Publikum verliehen. Monika Schärer von SF DRS moderierte den Anlass mit viel Witz und Charme. Die Siegerfilme waren «Klingenhof» von Beatrice Michel, «Katzenball» von Veronika Minder, «The Giant Buddhas» von Christian Frei, «Mein Name ist Eugen» von Michael Steiner und «Irène Schweizer» von Gitta Gsell. «Klingenhof» erhielt als Favorit unserer Redaktion zusätzlich einen «special award».
Link: art-tv.ch/kulturperle_film.html
Die 3. Perle
Bei der dritten Filmperle gab es entscheidende Änderungen. Es war uns wichtig, dass die Auswahl der Siegerfilme nicht nur durch art-tv.ch erfolgt, sondern breiter und «demokratischer» abgestützt ist. Dabei fiel uns auf, dass anders als etwa in Deutschland noch «Preis der Filmkritik» existierte. Es fehlte also ausgerechnet die Stimme jener Personen, die sich eigentlich besonders intensiv mit Film auseinandersetzen und diesen auch weitgehend unabhängig beurteilen können. Die Idee der «Filmperle» als Preis der Schweizer Filmkritik war geboren. Die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten (SVFJ) begann. Das Bundesamt für Kultur, Abteilung Film wurde erstmals um finanzielle Unterstützung ersucht, die dann auch gewährt wurde.
art-tv.ch und SVFJ befragten fünfzehn führende Schweizer Filmkritikerinnen und -kritiker der deutschen und französischen Schweiz nach den besten Schweizer Filmen des vergangenen Jahres. Matthias Schoch – DIE Kinoentdeckung 2006 in «Jeune Homme» – gab die fünf Siegerfilme in Solothurn bekannt. Mit der 3. Perle war noch ein weiteres Novum verbunden (es wurde dann vom offiziellen Schweizer Filmpreis übernommen): der Preis wurde in Solothurn bekannt gegeben, die eigentliche Feier erfolgte aber zu einem späteren Zeitpunkt andernorts. Mit den Preisträgern und viel Prominenz wurde im Kino Arthouse Le Paris in Zürich gefeiert. Zum Beitrag auf art-tv.ch: art-tv.ch/436-0-behind-the-scenes-l-art-tv-filmaward.html
Erstmals wurde zur Filmperle eine eigene Sonderseite im Netz aufgeschaltet art-tv.ch/filmperle07. Das Publikum konnte die Filme bewerten und kommentieren. Aus den fünf Siegerfilmen «Vitus» von Fredi M. Murer, «Das Fräulein» von Andrea Staka, «Nachbeben» von Stina Werenfels, «Grounding» von Michael Steiner sowie «Herbstzeitlosen» von Bettina Oberli wählte das Publikum, wenig überraschend, letzteren als Lieblingsfilm. Den «special award» erhielt jedoch «Nachbeben», den die Kritiker als besten Schweizer Film des Jahres bezeichneten.
Später lud die coalmine in Winterthur das Publikum KOSTENLOS ein zu den Vorführungen der Perlenfilme und Filmtalks mit den Regisseuren, moderiert von der Filmkritikerin Catherine Ann Berger. Zu den Höhepunkten von Film & Talk zählte etwa die Begegnung mit Bettina Oberli und Michael Steiner. Berger fragte nach den Ursachen des «Schweizer Filmwunders» und warum es bereits wieder vorbei sein könnte. Mit der Idee des «Minifestivals» verbindet sich das Ziel, dass auch junge Leute mit wenig Geld Schweizer Filme entdecken können.
Die 4. Perle
Die vierte Perle 2008 erlebte weitere Modifikationen. Immer mehr Filmpreise waren in der Zwischenzeit entstanden. Wie reagiert das Publikum auf diese Flut von Preisen? Eine Analyse dieser Frage erweckte bei uns den Eindruck, dass sich das Interesse des Publikums für Filmpreise wie auch ihre Wirkung auf die Filmverleiher in Grenzen hält. Unser Gefühl wurde durch eine Umfrage bestärkt, die art-tv.ch im Auftrag der george foundation am Filmfestival Locarno durchführte. Die zwar nicht repräsentative aber immerhin auf der Meinung von 240 Festivalbesuchern basierende Erhebung liess darauf schliessen, dass Filmpreise für das Publikum wenig relevant sind. Nur gerade 17 Prozent der Befragten gaben an, sich auf Grund eines „Awards“ einen Film im Kino anzusehen. Für 34 Prozent sind Filmpreise kaum, für 49 Prozent überhaupt nicht wichtig.
Link: art-tv.ch/2350-0-locarno-journe-du-cinma-suisse.html
Ebenfalls problematisch und immer wieder unangenehm an den Filmpreisen erschien uns, dass künstlerische Werke, die sich nicht objektiv vergleichen lassen, gegeneinander ausgespielt werden. Für uns war daher immer klarer, dass der reine Akt einer Preisverleihung nicht genügt.
Die vierte Ausgabe der Filmperle sollte deshalb die Vermittlung und den lustvollen Umgang mit dem Schweizer Film fördern. Unter Federführung des SVFJ wurden in Solothurn wie auch in Locarno Panels zu aktuellen Fragen rund um den Film organisiert. Das Panel in Locarno zum Thema „Glamour! Carpets! Awards! Wie viel Glamour und Filmpreise braucht der Film?“ fand in den Medien starken Anklang.
Link: art-tv.ch/2354-0-locarno-glamour-carpets-awards.html
Die Filmperlen wurden in Form eines «Familientreffens» im Hotel der Schweizer Filmszene übergeben. Ausgezeichnet wurden «Chrigu» von Jan Gassmann, «Pas Douce» von Jeanne Waltz, «Heimatklänge» von Stefan Schwietert, «Someone Beside You» von Edgar Hagen und «Bersten» von Michael Finger. Das Publikum wählte «Chrigu» zu seinem Favoriten.
Die 5. Perle
In der fünften Ausgabe der Filmperle kommt noch stärker zum Ausdruck, dass für uns die Vermittlung und nicht der Wettbewerb im Zentrum steht. Ausser in der deutschen Schweiz haben wir die Perlenfilme auch im Tessin und in der Romandie vorgeführt, und zwar ausserhalb der grossen Zentren. In Winterthur, Muralto/Locarno und Plan-les-Ouates bei Genf zeigten wir in Zusammenarbeit mit der coalmine, dem SVFJ und dem Bundesamt für Kultur, Abteilung Film, kostenlos die Siegerfilme der Schweizer Filmperle 2009, erneut begleitet von Talks mit Regisseuren, Produzentinnen oder Schauspielern.
Wie in den drei Jahren zuvor wurden die Perlenfilme durch die Schweizer Filmjournalistinnen und -journalisten en globe ausgewählt. Das Publikum konnte sich ebenfalls wieder beteiligen, sich über die Filme informieren, die Trailer dazu ansehen und die Filme kommentieren. Auf eine Rangliste wurde aber erstmals bewusst verzichtet. Das Publikum bewertete mit 4.20 Perlen «Bergauf, Bergab» als seinen Lieblingsfilm.





