Luciano Barisone | Direktor
Von den nahezu 3'500 Filmen, die von Festivaldirektor Luciano Barisone, der Auswahlkommission und den Festivalkorrespondenten in Lateinamerika, Russland, Indien, Asien-Pazifik und den USA gesichtet wurden, sind 110 Filme in die Wettbewerbssektionen des Festivals aufgenommen worden. Dazu kommen Arbeiten in den Ateliers, Sonderprogrammen und den Sektionen Focus sowie Port Franc. Am Festival sind 47 Länder vertreten. Die Schweizer Produktionen sind hervorragend und belegen die hohe Qualität des Filmschaffens in unserem Land.
Übergang als roter Faden
Das Hauptthema in fast allen Filmen ist der Übergang, sei es in politischer, sozialer, wirtschaftlicher oder in menschlicher, persönlicher, privater Hinsicht. Die Werte der Welt ändern sich, und das Kino kann nicht anders, als Zeuge davon zu sein. Das Gedächtnis und die Hoffnung sind Teil dieses Übergangs: Auf der einen Seite betrachtet man aus der Ferne das Ende der Utopien und Gewissheiten des 20. Jahrhunderts, auf der anderen die Geburt eines Gefühls der Auflehnung und anderer möglicher Utopien, die bescheidener sind und menschliche Dimensionen aufweisen. Dazwischen leiden die Menschen, sie kämpfen und träumen und amüsieren sich. Sie haben noch Lust aufs Leben.
Die Kriterien der Auswahlkommission
Respekt vor den gefilmten Personen und dem Zuschauer, aufrichtiges Engagement des Filmschaffenden, die Notwendigkeit eines Films, die Originalität der Projekte, die Kohärenz zwischen dem gewählten Thema und der filmischen Darstellungsform, Gestaltung der Vergänglichkeit durch Montage und Inszenierung, die Komposition des Bildes, die Schönheit der Einstellungen bestimmten die Auswahl – aber auch der Wunsch, die professionellen Ansprüche mit jenen eines breiten Publikums zu vermählen. Die Festivalmacher sind überzeugt, dass das Cinéma du Réel die originärste und zugleich zugänglichste Form der zeitgenössischen Kunst darstellt.