Der Japaner Seiji Shimoda brachte am ersten Tag des Festivals in der riesigen Halle der Turbine Giswil die Zeit zum stehen. Langsam hob er sich auf die Zehen und Fingerspitzen hoch, bevor sein Körper in grösster Langsamkeit zu Boden ging. Das konstante Ringen mit der Schwerkraft forderte alles ab, von den Zuschauern und ihm selbst. In der Tradition des japanischen Butoh wird nichts verheimlicht, es geht nur um das Sein im «Hier und Jetzt».
Körper und Material
Zuvor gelang Claudia Bucher mit ihrer Performance eine packende Erscheinung, in der sich Spielintelligenz und Material derart intensiv trafen, dass sich das Geschehen weit über den angelegten «rite de passage» hinausbewegte. Mit Schlamm und weissem Tuch bewaffnet kämpfte sie sich zu den Zuschauern vor, um sich vor ihnen mit diesen Materialien in die Gegenwart zu begeben und gleichsam geläutert wieder von dannen zu gehen. Die sinnlichen Erfahrungen, das Olfaktorische, der vergrösserte «larger-than-life» Ton der Turbinenhalle zusammen mit der Bildwirkung und der Präsenz ergaben einen starken Eindruck.
Am Nachmittag gab der Deutsche Helge Meyer mit seiner Performance ein weiteres Beispiel dafür ab, dass katharsische Handlungen zum Repertoire der Performance gehören. Dem Künstler ist jedoch deren vielfältige Ausgestaltung überlassen. Meyer zerschnitt Kissen auf eine derart liebenswürdige Art und Weise, dass man sich fragte, wann und wie denn der Ausbruch kommen würde. Er kam, und doch konnte Helge Meyers Performance immer wieder von neuem überraschen.
Der diesjährige Reigen von Performances im Kanton Obwalden zeigte dem angereisten Publikum eine kleine Auswahl dessen, was heute in dieser Sparte geboten wird. Das Engagement der Veranstalter Monika Günther und Ruedi Schill jährt sich heuer zum zehnten Mal – ein weiterer Grund, sich über dieses kleine Festival zu freuen.